Finanzkennzahlen, die jedes KMU kennen sollte – jenseits von Umsatz & Gewinn
← Alle Beiträge

Finanzkennzahlen, die jedes KMU kennen sollte – jenseits von Umsatz & Gewinn

Viele KMU schauen bei ihren Finanzen vor allem auf Umsatz und Gewinn. Doch diese beiden Grössen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Wer sein Unternehmen wirklich steuern will, braucht Kennzahlen, die Liquidität, Stabilität und Effizienz widerspiegeln. Hier ein Überblick über die wichtigsten – leicht erklärt, mit direktem Praxisnutzen.

EBITDA – der Blick aufs operative Ergebnis

EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization – also Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

👉 Vorteil: zeigt die tatsächliche operative Leistung, ohne verzerrende Einflüsse.

Beispiel: Ein KMU erwirtschaftet 200'000 CHF Gewinn, hat aber 80'000 CHF Abschreibungen auf Maschinen. EBITDA: 280'000 CHF – ein viel klareres Bild für Investoren und Banken.

3659120

Liquiditätsgrad II – reicht das Geld für morgen?

Auch Quick Ratio genannt.

Formel: (Flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten.

  • Über 100 % = Zahlungsverpflichtungen können jederzeit erfüllt werden.

  • Unter 100 % = Gefahr von Engpässen, obwohl Gewinn erwirtschaftet wird.

Praxis: Viele KMU gehen mit voller Auftragslage in die Betreibung, weil Rechnungen zu spät bezahlt werden.

Eigenkapitalquote – wie gesund ist die Finanzierung?

Formel: Eigenkapital ÷ Gesamtkapital.

Über 30 % gilt als solide. Unter 20 %: hohes Risiko bei Krisen oder Kreditanträgen.

Warum wichtig: Banken und Investoren achten stark auf diese Kennzahl – sie zeigt, wie unabhängig ein Unternehmen von Fremdkapital ist.

3653876

Working Capital – das Betriebskapital im Alltag

Formel: Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten.

  • Positiv: Das Unternehmen hat genügend Mittel, um laufende Geschäfte zu finanzieren.

  • Negativ: Zahlungsfähigkeit gefährdet, Abhängigkeit von Kreditlinien steigt.

Praxis: Wer Vorräte über Monate bunkert, blockiert Liquidität – ein unterschätzter Stolperstein im KMU-Alltag.

Debitorenlaufzeit – wie schnell zahlen die Kunden?

Formel: (Forderungen ÷ Umsatz) × 365 Tage.

  • Je kürzer, desto besser.

  • Lange Laufzeiten = Liquiditätsrisiko.

Beispiel: Zwei KMU mit gleichem Umsatz – das eine bekommt Geld nach 30 Tagen, das andere erst nach 90. Das zweite braucht dreimal so viel Liquiditätspuffer.

8588131

Digitale Helfer für Kennzahlen

Wer diese Kennzahlen im Griff behalten will, muss nicht Excel-Ninja sein. Moderne Tools liefern sie automatisch:

  • bexio – einfache Finanzreports für KMU.

  • Abacus – tiefere Analyse für wachsende Unternehmen.

  • Run my Accounts – tagesaktuelle Finanzkennzahlen dank Live-Buchhaltung.

  • Blond.swiss – integrierte Auswertungen direkt aus Rechnungs- und Spesenprozessen.

Umsatz und Gewinn sind wichtig – aber nicht genug

EBITDA, Liquidität, Eigenkapitalquote, Working Capital und Debitorenlaufzeit geben KMU den echten Überblick. Wer diese Kennzahlen regelmässig prüft, erkennt Risiken frühzeitig – und steuert sein Unternehmen sicher durch jede Lage.